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Alkohol in Kosmetik: Gut oder schlecht?

Gepostet von Juliane Ewert am
Fast kein Inhaltsstoff in Pflegeprodukten ist derart verrufen wie Alkohol. Versucht man dann, dem Mythos „Alkohol“ in Pflegeprodukten näher zu kommen, ist das erstmal schwieriger als gedacht: Die Informationen sind häufig unvollständig und entsprechen nicht immer der Wahrheit.

Am wichtigsten hierbei ist: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Es gibt „gute“ und „schlechte“ Alkohole, die sehr unterschiedliche Wirkungen auf unsere Haut haben. Bei Kosmetika empfiehlt es sich, Produkte ohne reizenden Alkohol zu kaufen. Aber dazu jetzt mehr:


Was ist Alkohol eigentlich?

Sucht man nach einer genauen, allgemeinen Definition von Alkohol, wird die Suche wahrscheinlich nicht erfolgreich sein. Die ersten Ergebnisse sind „brennbare, desinfizierende Flüssigkeit“, „Ethanol“ und „geistiges Getränk“. Ist von Alkohol die Rede, so meinen die meisten Menschen Ethanol, also Weingeist (Ethylalkohol). Ethanol ist die genießbare Form des Alkohols, dessen berauschende Wirkung wir aus alkoholischen Getränken kennen.

Alkohol wird in der Kosmetikindustrie sehr häufig eingesetzt, denn kaum eine Substanz ist so zuverlässig in der Lage, Bakterien abzutöten und zeitgleich Fett zu lösen. Gerne wird er als Lösungsmittel, Antiseptikum oder auch als Desinfektionsmittel verwendet. Er hilft auch dabei, dass die Produkte nicht zu schnell kippen, ihre ursprüngliche Konsistenz bewahren und eine längere Haltbarkeit aufweisen.

Am häufigsten lässt sich Alkohol in Kosmetikprodukten in Eau de Parfum/Eau de Toilette, Deodorant und Gesichtswasser finden. Aber auch Reinigungsprodukte, Körpercremes und Haarfärbemittel enthalten oft eine große Menge an Alkohol.


Was ist guter Alkohol? 

Gute Alkohole werden auch als Fettalkohole und Wachsalkohole bezeichnet. Diese werden aus in Pflanzenteilen enthaltenen Fettsäuren, also aus natürlichen Rohstoffen, hergestellt. In Kosmetikprodukten dienen diese meist als Geschmeidig- und Dickmacher. Sie pflegen die Haut, wirken rückfettend und schützen die Haut vor dem Austrocknen, indem die Feuchtigkeit in der Haut behalten bleibt. 

Dieser Alkohol ist ungiftig, hautfreundlich und für jeden Hauttyp gut verträglich. Häufige Vertreter des guten Alkohols in der Kosmetik sind Cetyl Alkohol, Cetearyl Alkohol und Stearylalkohol.


Was ist schlechter Alkohol? 

Einwertige Alkohole haben eine schädigende Wirkung auf die Haut. Der bekannteste Vertreter der schlechten Alkohole ist der Ethylalkohol, der auch als Weingeist bezeichnet wird. Insbesondere spielt auch die eingesetzte Menge eine Rolle, aber dazu später noch mehr. Schlechten Alkohol in der Kosmetik bezeichnen Chemiker als sogenannten vergällten Alkohol. Was damit gemeint ist, steckt schon in der Bezeichnung:
Der genießbare Trinkalkohol wird ungenießbar gemacht und so dem Handel als Genussmittel entzogen. Auch wird auf diese Weise die Branntweinsteuer gespart, aber dies ist ein anderes Thema.

Trinkalkohol wird mittels Phthalaten vergällt. Diese sind chemische Weichmacher, die fett und wasserlöslich sind. Weiters können sie auch leicht über die Haut aufgenommen werden, wodurch sie auf einfache Weise in den Blutkreislauf gelangen können. Schlimmstenfalls und bei enorm hoher Konzentration können Diabetes und Unfruchtbarkeit die Folge davon sein.
Vergällter Alkohol begünstigt unsere Hautalterung. Aus der erstrebten Anti-Aging-Wirkung würde so schnell „Pro-Aging“ werden – wer möchte das schon? Schlechter Alkohol hat also in guten Anti-Aging-Produkten nichts zu suchen. Zusätzlich entzieht dieser Alkohol der Haut die Flüssigkeit, trocknet diese enorm aus und schädigt die Hautbarriere, wodurch Entzündungen und Infektionen regelrecht begünstigt werden. 

Ohnehin schon fettige Haut kann dadurch in einen Teufelskreis geraten: Der Alkohol gibt der Haut das Signal, dass zu wenig Fett vorhanden ist, was zur Folge hat, dass sie noch mehr Fett produziert und plötzlich noch fettiger wird als zuvor. Dies kann wiederum zur Folge haben, dass die Talgschicht der Haut zerstört wird. Bei Hautproblemen, wie beispielsweise Neurodermitis oder Akne, solltest du auf jeden Fall die Finger von alkoholhaltigen Pflegeprodukten lassen.


Überblick: gute und schlechte Alkohole

Schlechte Alkohole:

  • Alcohol Denat
  • Alcohol
  • Ethanol
  • Ethyl Alcohol
  • SD Alcohol
  • Methanol
  • Propyl
  • Isopropyl Alcohol
  • Benzyl Alkohol
  • Phenethyl Alcohol

Gute Alkohole:

  • Cetyl Alcohol
  • Cetearyl Alcohol
  • Stearyl Alcohol
  • Lauryl Alcohol
  • Lanolin Alcohol
  • Arachidyl Alcohol


Der schlechte Stoff: Die Dosis macht das Gift 

Ob Alkohol schädlich für uns und unseren Körper ist, hängt nicht nur von der Art, sondern vor allem von der Menge des Alkohols ab. Alkohol ist besonders dann besorgniserregend, wenn er auf der INCI-Liste unter den ersten fünf Inhaltsstoffen steht.

Die Abkürzung INCI steht für „International Nomenclature Cosmetic Ingrendients“. Diese Liste stellt eine internationale Richtlinie der Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten dar. Die Inhaltsstoffe müssen nach ihrem Anteil im Produkt in abnehmender Reihenfolge angeführt werden. Denn je weiter vorne der schlechte Alkohol sich in der Auflistung der Inhaltsstoffe befindet, desto höher ist die Konzentration im Produkt und umso schädlicher ist das Produkt für unsere Haut. 

Nimm dir vielleicht mal ein paar Stunden Zeit, um deine Produkte im Badezimmer durchzuschauen. Viele deiner Produkte enthalten wahrscheinlich eine hohe Konzentration vergällten Alkohols und tun deiner Haut nichts Gutes. Bester Zeitpunkt, dich von schädlichen und überflüssigen Kosmetikprodukten zu verabschieden. 

 

Naturkosmetik und Alkohol 

Auch die Naturkosmetik kann nicht vollkommen auf die Wirkung und positiven Eigenschaften des guten Alkohols verzichten. Vor allem die Eigenschaft des Alkohols als Konservierungsmittel wird sehr geschätzt, so lassen sich beispielsweise Cetearyl Alkohol und Stearyl Alkohol, beides Vertreter der Fettalkohole, oftmals in Naturkosmetikprodukten finden. 


Sind „alkoholfreie“ Produkte ganz ohne Alkohol? 

Nein, nicht immer. Kosmetische Produkte können nämlich auch dann als alkoholfrei deklariert werden, wenn sie keinen schlechten Alkohol enthalten. So können also „alkoholfreie“ Produkte durchaus guten Alkohol enthalten und sind aber trotzdem nicht vollkommen frei von Alkohol.

 

 

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